Wann schlägt Maßarbeit Katalogmöbel?
Ein Tischler, der Möbel nach Maß fertigt, klingt nach Luxus, und ein Schrank aus dem Katalog klingt nach der vernünftigen Wahl. In der Praxis ist es oft umgekehrt: in einem Dachgeschoss mit Schräge, in einer Nische neben einem Kamin oder in einem Raum mit hoher Decke erweist sich Katalogmöbel gerade wegen der ungenutzten Fläche als teuer. Für eine verschenkte Ecke zahlen Sie nicht auf der Tischlerrechnung; Sie zahlen dafür mit der Grundfläche, die Sie bereits einmal bezahlt haben, als das Haus gebaut wurde. Dieser Beitrag handelt davon, wo Einbaumöbel nach Maß sich rechnen, wo nicht, und vor allem, wann Sie beginnen müssen, darüber nachzudenken, denn die meisten Probleme, mit denen ich auf der Baustelle zu tun habe, sind lange vor der Ankunft des Tischlers entstanden.
Katalog- und Modulsysteme sind für einen rechteckigen Raum mit geraden Wänden und gewöhnlicher Deckenhöhe konzipiert. Dort funktionieren sie gut, sind schnell verfügbar und lassen sich wieder zerlegen. Schwierig wird es, wenn ein Raum diese Annahmen nicht erfüllt. Meist läuft es auf vier Situationen hinaus:
- Eine geneigte Dachschräge. Das Modul endet dort, wo die Schräge beginnt, und darüber bleibt ein Keil, der weder genutzt noch ordentlich gereinigt werden kann. Ein Schrank nach Maß folgt der Neigung und macht aus der niedrigen Zone an der Kniestockwand Schubladen.
- Nischen und Rücksprünge. Der Spalt zwischen einem Kaminsims und einer Wand, unter einer Treppe oder neben einem Installationsschacht hat eine Breite, die nicht ins Modulraster passt. Ein Katalogelement in einer Nische lässt an den Seiten Lücken, die mit Blenden abgedeckt werden und Staub sammeln.
- Eine ungünstige Tiefe. Ein Flur, in dem eine Standardschranktiefe den Durchgang verengen würde, oder umgekehrt ein tiefer Rücksprung, in dem ein flaches Element dahinter toten Raum ließe.
- Hohe Räume. In älteren Häusern und in Wohnräumen mit höherer Decke endet ein Katalogschrank deutlich unter der Decke. Der Raum darüber ist praktisch nutzlos, und das Element wirkt wie eine Kiste, die jemand abgestellt und vergessen hat.
Was diese Fälle gemeinsam haben, ist einfach: Sie kaufen Maßarbeit nicht wegen der Optik, sondern für Stauraum, der sonst verloren ginge. Wenn dieses Argument in einem bestimmten Raum nicht trägt, also in einem rechteckigen Raum mit geraden Wänden und gewöhnlicher Höhe, ist ein gutes Katalogsystem meist die vernünftigere Wahl, und das gesparte Geld ist anderswo besser angelegt.
Welche Stücke lohnen sich nach Maß, und welche nicht?
Das beste Verhältnis von Nutzen zu Kosten bieten Stücke, die am Gebäude befestigt sind und seine Unregelmäßigkeiten nutzen:
- Einbauschränke von Boden bis Decke, besonders in Nischen und unter Schrägen.
- Ein begehbarer Kleiderschrank, bei dem die innere Aufteilung wichtiger ist als die Türen. Oft werden hier nur das Tragwerk und die Beschläge nach Maß gefertigt, und Türen sind gar nicht nötig.
- Ein hoher Vorratsschrank neben der Küche, der die Küchenzeile von Schränken für Vorräte entlastet.
- Bücherregale, in eine Wand eingelassen oder um eine Tür herum gebaut, wo Regaltiefe und Spannweite zu Büchern passen und nicht zu Kleidung.
- Eine Fensterbank mit Stauraum unter dem Polster, typischerweise dort, wo alte Wände dick sind oder in einer Dachgaube.
- Eine Arbeitsecke in einer Nische oder unter der Treppe, wo Schreibtisch, Regale und Beleuchtung ein einziges Element bilden.
Dagegen hat es keinen Sinn, freistehende Stücke nach Maß zu fertigen: einen Esstisch, ein Sofa, ein Bett oder eine Kommode. Diese lassen sich in guter Qualität günstiger fertig kaufen, und sie ziehen mit Ihnen um. Vorsichtig wäre ich auch bei einem Kinderzimmer, das sich innerhalb weniger Jahre völlig verändert, und bei einer TV-Wand, die um ein bestimmtes Fernsehgerät herum gebaut ist, das Sie lange vor dem Verschleiß der Möbel ersetzen werden.
Nach Maß, Katalog oder eine Kombination?
Zwischen reiner Tischlerarbeit und einem fertigen Modul gibt es einen dritten Weg, den ich öfter empfehle, als man erwartet: Katalogkorpusse, veredelt mit Türen, Seitenwangen und Passblenden nach Maß. Das Innere ist dann seriengefertigt und bewährt, während das Möbel von außen als ein Stück mit der Wand wirkt. Die drei Ansätze im Vergleich:
| Kriterium | Maßarbeit vom Tischler | Katalogmodul | Kombination |
|---|---|---|---|
| Nutzung unregelmäßigen Raums | Vollständig, einschließlich Schrägen und Nischen | Begrenzt durch das Modulraster | Gut, Passblenden nehmen den Rest auf |
| Wahl von Materialien und Oberflächen | Praktisch unbegrenzt | Aus dem Sortiment des Herstellers | Korpus aus dem Sortiment, sichtbare Flächen frei |
| Qualität der Beschläge | Wie vereinbart, muss genau festgelegt werden | Vom System vorgegeben | Vom Korpus-System vorgegeben |
| Zeit von Bestellung bis Montage | Am längsten, hängt von der Auslastung der Werkstatt ab | Am kürzesten, oft ab Lager | Mittel, man wartet auf die Türen |
| Demontage beim Umzug | Meist nicht | Ja | Teilweise |
| Anforderungen an die Baustellenvorbereitung | Hoch, Entscheidungen fallen vor dem Verputzen | Niedrig | Mittel |
Was muss vor dem Verputzen und Estrich entschieden werden?
Das ist der Teil, den Auftraggeber am meisten unterschätzen. Der Tischler misst den fertigen Raum auf, nach Verputz und Bodenbelag, weil Wände nie vollkommen lotrecht oder eben sind und das Möbel sich ihnen anpassen muss. Das bedeutet aber nicht, dass das Möbel bis dahin warten kann. Alles, was in einer Wand, einer Decke oder einem Boden sitzt, muss früher entschieden werden, sonst reißen Sie entweder etwas auf oder einigen sich auf einen Kompromiss.
| Baustufe | Was entschieden werden muss | Was schiefgeht, wenn nicht |
|---|---|---|
| Errichtung der Trennwände | Kassetten für Schiebetüren im Wandfach, Wandstärke, Rohbaumaßnahmen für einen begehbaren Kleiderschrank | Eine Kassette kommt nur in eine fertige Wand, wenn man die Wand auseinandernimmt |
| Elektro-Rohinstallation | Strom für Beleuchtung in Schränken und Regalen, Steckdosen in der Arbeitsecke und im Vorratsschrank, Schalterpositionen frei von künftigen Türen | Aufputz verlegte Kabel oder ein hinter einem Schrank versteckter Schalter |
| Putz und Trockenbau | Eine Schattenfuge an Decke und Wänden, Verstärkung der Gipskartonplatten dort, wo Elemente befestigt werden, Ebenheit der Wände in Nischen | Eine ungleichmäßige Fuge, ein Schrank ohne Verankerung |
| Estrich und Bodenbelag | Ob das Möbel auf dem fertigen Boden oder auf dem Estrich steht, die Lage des Heizkreisverteilers | Bodenbelag unter einem Schrank umsonst bezahlt, oder eine Lücke am Sockel |
Die Beleuchtung in Einbaumöbeln ist ein Kapitel für sich. Ein LED-Band in einem Schrank oder über einem Schreibtisch braucht eine Versorgung und einen Platz für sein Netzteil, den man später erreichen kann. Ein endgültig hinter einer festen Blende versiegeltes Netzteil ist ein Fehler, der sich erst beim ersten Ausfall zeigt. Wie man Licht in Stromkreise aufteilt, behandle ich ausführlicher in meinem Beitrag über Lichtschichten im Innenraum. Für Möbel gilt dieselbe Regel: Die Positionen müssen vor der Elektro-Rohinstallation bekannt sein.
Dasselbe gilt für den Grundriss. Wenn ein begehbarer Kleiderschrank oder ein Vorratsraum ein eigener Raum sein soll, muss er im Grundriss existieren und nicht erst beim Einrichten auftauchen. Warum Stauraum in die Disposition und nicht in die Möblierung gehört, erkläre ich in dem Beitrag über Tages- und Nachtzone eines Einfamilienhauses.
Was treibt die Kosten von Einbaumöbeln?
Ich nenne hier bewusst keinen Preis pro laufendem Meter Schrank. Die Unterschiede zwischen Werkstätten, Regionen und Aufgabenstellungen sind so groß, dass jede einzelne Zahl mehr irreführen als helfen würde. Nützlicher ist zu wissen, was den Preis bewegt:
- Das Material der sichtbaren Flächen. Melaminbeschichtete Spanplatte ist am günstigsten und strapazierfähig, lackierte MDF kostet mehr und ist an den Kanten empfindlicher gegen Beschädigung, Furnier und Massivholz stehen oben. Der Korpus kann meist ein günstigeres Material sein als die Türen.
- Die Beschläge. Scharniere, Führungen und Mechanismen machen einen erheblichen Anteil am Preis aus und entscheiden, wie lange das Stück hält. Schubladen mit Vollauszug und Soft-Close kosten mehr als Rollenführungen mit Teilauszug, und den Unterschied spürt man täglich.
- Die geometrische Komplexität. Eine Schräge, eine Rundung oder Türen, die einer Neigung folgen, bedeuten mehr Arbeit in Fertigung und Montage als ein rechteckiger Korpus.
- Die Zahl der beweglichen Teile. Eine Schublade kostet mehr als ein Regalboden, ein Auszugskorb mehr als eine Kleiderstange. Ein begehbarer Kleiderschrank voller Schubladen kann ein Vielfaches dessen kosten, was ein gleich großer mit Regalböden kostet.
- Beleuchtung und integrierte Technik, die der Tischler oft nur als Vorbereitung liefert, während der Anschluss vom Elektriker ausgeführt wird.
- Montage unter schwierigen Bedingungen: alles ins Dachgeschoss tragen, schiefe Wände, die unterfüttert werden müssen, oder Arbeiten in einer bewohnten Wohnung.
Wenn Sie sparen müssen, hilft die Vereinfachung des Inneren am meisten, nicht günstigere Beschläge. Ein Regalboden statt einer Schublade spart mehr und hält länger als ein billigeres Scharnier.
Wie vergleicht man Angebote von Tischlern?
Zwei Angebote für „einen Einbauschrank, drei Meter lang" können völlig unterschiedliche Produkte beschreiben. Solange die Tischler nicht dieselbe Aufgabenstellung haben, vergleichen Sie nur die Summe, und die Summe allein sagt nichts. Bevor ich auf Werkstätten zugehe, erstelle ich deshalb eine Zeichnung mit Maßen, innerer Aufteilung und einer Spezifikation, und beim Vergleich prüfe ich diese Punkte:
| Punkt | Was zu fragen ist | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Korpus- und Türenmaterial | Plattentyp, Dicke, Oberfläche, Material der Rückwand | Eine dünne Rückwand und schwache Platte zeigen sich als Durchhängen und Knarzen |
| Kanten | Material und Dicke der Umleimer, ob jede Seite umleimt ist | Kanten sind die Stelle, an der Möbel zuerst beschädigt werden |
| Scharniere | Hersteller, Soft-Close, Verstellung in drei Richtungen | Türen verstellen sich mit der Zeit und müssen nachjustierbar sein |
| Führungen | Voll- oder Teilauszug, verdeckt oder seitlich, Traglast | Entscheidet, ob Sie bis hinten in die Schublade greifen können |
| Schrankinneinrichtung | Anzahl und Art von Schubladen, Körben, Stangen und Kleiderlift | Die häufigste Stelle, an der Angebote still voneinander abweichen |
| Leistungsumfang | Aufmaß vor Ort, Lieferung, Montage, Passblenden, Entsorgung | Ein günstigeres Angebot lässt oft einen dieser Punkte weg |
Ich frage außerdem nach Referenzen aus ähnlichen Aufträgen und sehe mir, wenn möglich, ein Stück an, das die Werkstatt vor einigen Jahren gefertigt hat. Neue Möbel sehen fast immer gut aus. Wie sie gemacht wurden, zeigt sich erst nach Jahren der Nutzung.
Welche Fehler sehe ich bei Einbaumöbeln am häufigsten?
- Nach Zeichnung fertigen statt nach Aufmaß vor Ort. Die Zeichnung dient der Baustellenvorbereitung und dem Angebot. Die Fertigung beginnt erst, nachdem die fertigen Wände aufgemessen sind.
- Verstellter Zugang. Ein Schrank vor dem Heizkreisverteiler, dem Wasserzähler oder einer Revisionsöffnung ohne abnehmbare Blende.
- Zu tiefe Bücherregale. Bücher brauchen weniger Tiefe als Kleidung, und auf einem tiefen Regal stellt man sie bald in zwei Reihen hintereinander.
- Lange Regalböden ohne Auflage. Ein Regalboden mit großer Spannweite hängt unter Büchern mit der Zeit durch. Die Spannweite muss zu Dicke und Material der Platte passen.
- Türen, die sich nicht ganz öffnen lassen. Ein Zusammenstoß mit dem Griff einer benachbarten Tür, einem Heizkörper oder einer Leuchte lässt sich auf der Zeichnung erkennen, nicht bei der Montage.
- Eine fehlende Steckdose. Laden im begehbaren Kleiderschrank, der Staubsauger im Vorratsraum, eine Lampe in der Arbeitsecke. Nachträglich wird es mit einem Verlängerungskabel durch die Tür gelöst.
Wie gehe ich an Einbaumöbel heran?
Ich behandle Möbel nach Maß als Teil der Planung, nicht als letzten Punkt auf der Einrichtungsliste. In der Ausführungsplanung werden die Positionen von Einbauschränken, begehbarem Kleiderschrank und Vorratsraum zusammen mit der Elektroplanung und den baulichen Vorbereitungen gezeichnet, damit die Baustelle sie vorbereitet, ob nun schon ein Tischler gewählt wurde oder nicht. Danach erstelle ich Zeichnungen und eine Spezifikation für die Tischler, damit ihre Angebote vergleichbar sind, und bei der Montage prüfe ich, ob das Gelieferte der vereinbarten Aufgabenstellung entspricht. Nicht jeder Raum braucht Möbel nach Maß. Wo einer es braucht, hängt das Ergebnis mehr vom Timing ab als vom Budget.
