Was ist ein Passivhaus?

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Der Wandaufbau einer Holzrahmenwand mit Mineralwolle zwischen den Ständern und luftdicht verklebter Stoßfuge

Ein Passivhaus ist ein Baustandard, der Gebäude mit extrem niedrigem Energiebedarf für Heizung und Kühlung definiert. Dieses Konzept entstand 1988 in Deutschland und ist heute ein weltweit anerkannter Standard.

Kernprinzipien

1. Hervorragende Wärmedämmung

Die Gebäudehülle eines Passivhauses muss einen sehr niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) aufweisen. Typische Werte sind:

  • Wände: U ≤ 0,15 W/(m²·K)
  • Dach: U ≤ 0,10 W/(m²·K)
  • Boden: U ≤ 0,15 W/(m²·K)

2. Vermeidung von Wärmebrücken

Wärmebrücken sind Bereiche in der Gebäudehülle, in denen erhöhte Wärmeverluste auftreten. In einem Passivhaus müssen alle Details so geplant werden, dass Wärmebrücken vermieden werden.

Ein Wand-Dach-Anschluss im Bau, die Dämmung läuft ohne Unterbrechung an der Wand hoch und über den Wandkopf
Eine durchgehende Dämmebene ist das Prinzip, von dem abhängt, ob die anderen vier funktionieren. Jede Unterbrechung im Detail ist eine Wärmebrücke.

3. Luftdichtheit

Das Gebäude muss luftdicht sein, um unkontrollierte Wärmeverluste zu verhindern. Der maximal zulässige Luftdichtheitswert beträgt n50 ≤ 0,6/h, was durch einen Blower-Door-Test überprüft wird.

4. Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Die Lüftung erfolgt über eine kontrollierte Anlage mit Wärmerückgewinnung (Rekuperation). Die Wärmerückgewinnungsrate muss mindestens 75 % betragen.

5. Hochwertige Fenster

Fenster müssen eine Dreifachverglasung mit Uw ≤ 0,8 W/(m²·K) aufweisen und für maximale solare Gewinne richtig ausgerichtet sein.

Zertifizierungskriterien

Damit ein Gebäude die Passivhaus-Zertifizierung erhält, muss es folgende Kriterien erfüllen:

  • Heizwärmebedarf: ≤ 15 kWh/(m²·Jahr)
  • Primärenergiebedarf: ≤ 120 kWh/(m²·Jahr)
  • Luftdichtheit: n50 ≤ 0,6/h

Vorteile von Passivhäusern

  1. Minimale Energiekosten - Einsparungen von bis zu 90 % im Vergleich zu älteren, ungedämmten Gebäudebestand; im Vergleich zu einem Neubau, der dem Niedrigstenergiegebäude-Standard entspricht, der seit Januar 2021 in der Slowakei für alle Neubauten verpflichtend ist, ist der Unterschied deutlich geringer
  2. Hoher thermischer Komfort - gleichmäßige Temperatur in allen Räumen
  3. Raumluftqualität - frische, gefilterte Luft
  4. Widerstandsfähigkeit gegenüber Energieschwankungen
  5. Geringerer CO₂-Fußabdruck

Fazit

Ein Passivhaus ist nicht nur ein technischer Standard, sondern eine ganzheitliche Planungsphilosophie, die die Umwelt respektiert und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität bietet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Passivhaus und einem Neubau nach heutigen Vorschriften?
Seit Januar 2021 muss jeder Neubau in der Slowakei den Niedrigstenergiegebäude-Standard (nZEB) erfüllen, was der Energieklasse A0 entspricht. Ein Passivhaus geht über diese Verpflichtung hinaus: Es begrenzt den Heizwärmebedarf streng (≤ 15 kWh/m² pro Jahr), die Luftdichtheit und Wärmebrücken und überprüft diese durch Messung statt nur durch Berechnung. Der Verbrauchsunterschied zwischen einem Passivhaus und einem heutigen Neubau ist daher viel geringer als der Unterschied zu einem älteren, ungedämmten Haus.
Muss ein Passivhaus zertifiziert sein, um so genannt zu werden?
Die Zertifizierung wird vom Passive House Institute ausgestellt, nachdem der Entwurf überprüft und das fertige Gebäude gemessen wurde. Ohne Zertifizierung kann man trotzdem ein Haus bauen, das die Parameter erfüllt, aber formal ist es ein Haus 'nach Passivhausstandard', kein zertifiziertes Passivhaus. Die Zertifizierung lohnt sich vor allem als unabhängige Qualitätskontrolle von Entwurf und Ausführung.
Was sind die Passivhaus-Klassen Classic, Plus und Premium?
Alle drei teilen die gleichen Anforderungen an Hülle und Luftdichtheit und unterscheiden sich nur darin, wie viel erneuerbare Energie das Gebäude erzeugt. Classic erfordert keine Erzeugung vor Ort, Plus etwa so viel Energie, wie das Gebäude verbraucht, und Premium etwa das Doppelte, also einen Nettoüberschuss.
Wie viel teurer ist ein Passivhaus als ein gewöhnlicher Neubau?
Die Mehrkosten entstehen hauptsächlich durch die Dämmstärke, die Fensterqualität, die wärmebrückenfreie Detailplanung und die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Der genaue Betrag hängt vom Entwurf, der Hausgröße und den gewählten Materialien ab. Vergleichen Sie daher echte Angebote für dasselbe Haus, anstatt sich auf Prozentangaben in Artikeln zu verlassen. Die Frage der Amortisation behandle ich in einem separaten Artikel zur Wirtschaftlichkeit eines Passivhauses.
Überhitzt ein Passivhaus im Sommer?
Nicht, wenn die Verschattung von Anfang an mitgeplant wird. Große Südfenster ohne Überhänge, Jalousien oder andere Außenverschattung lassen jedes Haus überhitzen, ein Passivhaus umso schneller, weil Wärme nur langsam entweicht. Außenverschattung, Nachtlüftung und ausreichende thermische Masse sind Teil des Entwurfs, kein nachträgliches Extra.
Kann man in einem Passivhaus die Fenster öffnen?
Ja. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung macht das Lüften über Fenster nicht notwendig, aber nicht unmöglich. Im Sommer ist die Nachtlüftung durch offene Fenster sogar sinnvoll. Luftdichtheit bezieht sich auf unkontrollierte Leckagen in der Konstruktion, nicht darauf, dass Fenster geschlossen bleiben müssen.
Kann ein bestehendes Haus in ein Passivhaus umgewandelt werden?
Die Kriterien vollständig zu erfüllen ist bei einem Altbau schwierig, weil Luftdichtheit und die Beseitigung von Wärmebrücken in einer bestehenden Struktur schwer zu erreichen sind. Das realistische Ziel einer tiefgreifenden Sanierung ist es, dem Standard deutlich näher zu kommen, wofür der separate EnerPHit-Zertifizierungsstandard für Modernisierungen entwickelt wurde.

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