- Startseite
- Glossar
- PMV/PPD-Komfortindex
PMV/PPD-Komfortindex
Fangers Wärmebilanzmodell, das die thermische Empfindung (PMV) und den Unzufriedenheitsanteil (PPD) von Nutzern anhand von sechs Umweltfaktoren vorhersagt.
Was ist das PMV/PPD-Modell?
Das PMV/PPD-Modell ist Fangers Wärmebilanzansatz zur Vorhersage des thermischen Komforts in Gebäuden. PMV steht für Predicted Mean Vote (vorhergesagte mittlere Bewertung), ein Wert auf einer siebenstufigen Empfindungsskala von minus drei (kalt) über null (neutral) bis plus drei (heiß). PPD steht für Predicted Percentage Dissatisfied (vorhergesagter Prozentsatz Unzufriedener), der aus dem PMV durch eine empirische Kurve abgeleitet wird, die den Anteil der Nutzer zeigt, der sich voraussichtlich unwohl fühlt. Das Modell ist zur Grundlage europäischer Normen (EN 16798-1) und der ISO 7730 geworden und treibt die Komfortberechnungen in den meisten Gebäudesimulationswerkzeugen an.
Die entscheidende Erkenntnis, die jedes Planungsgespräch neu ausrichtet: Der PPD-Wert fällt nie auf null. Selbst bei einem vollkommen neutralen PMV sind etwa fünf Prozent der Nutzer unzufrieden. Dies ist kein Fehler des Modells; es ist die ehrliche Aussage des Modells, dass kein einzelner Sollwert einen ganzen Raum voller Menschen mit unterschiedlicher Kleidung, Stoffwechsel und Position zufriedenstellt. Einmal verstanden, verschiebt dies die Erwartungen des Bauherrn von die richtige Temperatur treffen zu die akzeptable Unzufriedenheit niedrig halten.
Wie funktioniert die siebenstufige Empfindungsskala?
Die PMV-Skala reicht von minus drei bis plus drei und repräsentiert kalt über neutral bis heiß:
| PMV-Wert | Thermische Empfindung | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| minus 3 | Kalt | Nutzer können nicht arbeiten; starkes Unbehagen |
| minus 2 | Kühl | Unbehagen; Produktivitätsrückgang |
| minus 1 | Leicht kühl | Akzeptable Unbehaglichkeitsschwelle in einigen Normen |
| 0 | Neutral | Die meisten Nutzer zufrieden; PPD ≈ 5 Prozent |
| plus 1 | Leicht warm | Akzeptable Unbehaglichkeitsschwelle in einigen Normen |
| plus 2 | Warm | Unbehagen; Produktivitätsrückgang |
| plus 3 | Heiß | Nutzer können nicht arbeiten; starkes Unbehagen |
Die meisten praktischen Normen beschränken den Komfort auf den Bereich von minus eins bis plus eins (kühl bis warm), wo der PMV nahe neutral bleibt, die Unzufriedenheit jedoch beherrschbar ist.
Was sind die sechs Eingabeparameter des Komfortmodells?
Der PMV kombiniert sechs Faktoren: vier Umgebungsmessungen und zwei persönliche Annahmen.
| Eingabe | Einheit | Rolle im Modell | Typischer Bereich |
|---|---|---|---|
| Lufttemperatur | °C | Konvektiver Wärmeaustausch | 18–26 |
| Mittlere Strahlungstemperatur | °C | Strahlungsaustausch mit Oberflächen | 15–30 |
| Luftgeschwindigkeit | m/s | Konvektive Kühlung und Zugluftrisiko | 0,1–1,0 |
| Feuchte (relativ) | Prozent | Verdunstungskühlung der Haut | 30–70 |
| Bekleidungsisolation | clo | Anngenommen, nicht gemessen (0,5–1,5) | Sommer bis Winter |
| Stoffwechselrate | met | Anngenommen, nicht gemessen (1,0–1,5) | Sitzend bis leichte Aktivität |
Die letzten beiden Eingaben bergen die größte Unsicherheit. Der Modellierer nimmt einen einzigen Bekleidungswert für die Jahreszeit an (der je nach Person und Vorliebe variiert) und eine sitzende Stoffwechselrate (die aktive Nutzer ignoriert). In einem echten Büro variieren Kleidung und Aktivität, was die Vorhersage des Modells zu einem Durchschnitt und nicht zu einer präzisen Prognose macht.
Was sagt uns der PPD?
PPD (Predicted Percentage Dissatisfied) ist eine aus dem PMV abgeleitete Kurve. Bei einem PMV von null beträgt der PPD etwa fünf Prozent: das unvermeidbare Minimum. Sobald sich der PMV in eine Richtung von neutral entfernt, steigt der PPD stark an. Ein PMV von minus eins oder plus eins entspricht etwa zehn bis fünfzehn Prozent Unzufriedenen; ein PMV von minus zwei oder plus zwei treibt den PPD über dreißig Prozent.
Normen definieren daher Komfortkategorien als Bänder akzeptabler PMV-Werte, die den PPD auf einen Zielschwellenwert begrenzen. Eine enge Kategorie (Kategorie I nach EN 16798-1, geeignet für empfindliche Räume wie Krankenhäuser) könnte einen PPD <6 Prozent erfordern und einen PMV nur von minus 0,2 bis plus 0,2 zulassen. Eine großzügige Kategorie (Kategorie III für weniger empfindliche Gebäude) könnte einen PPD <20 Prozent mit einem weiteren PMV-Band akzeptieren.
Wie verwenden europäische Normen den PMV?
EN 16798-1 (die aktuelle verbindliche Norm für die energetische Gebäudeleistung) definiert vier thermische Komfortkategorien. Jede Kategorie gibt einen akzeptablen PMV-Bereich vor, der einen maximalen Unzufriedenheitsprozentsatz gewährleistet. Kategorie I (höchster Komfort) wird für empfindliche Räume und besondere Aktivitäten verwendet; Kategorie II gilt für normale Büro-, Wohn- und Einzelhandelsnutzung; Kategorie III akzeptiert größere Schwankungen und eignet sich für Gebäude mit natürlicher Lüftung und individueller Kontrolle. Die Norm verweist auch auf adaptiven thermischen Komfort als Alternative für natürlich belüftete Gebäude, was der Realität Rechnung trägt, dass der statische PMV die Unzufriedenheit überschätzt, wenn Nutzer Fenster öffnen können.
Was sind die Grenzen des Modells?
Der PMV wurde in den 1970er Jahren von Ole Fanger entwickelt und anhand von stationären Experimenten mit sitzenden Probanden in einheitlicher Kleidung in kontrollierten Klimakammern kalibriert. In echten Gebäuden zeigen sich drei systematische Verzerrungen:
Erstens geht das Modell von stationären Bedingungen aus (keine transienten Änderungen von Temperatur, Kleidung oder Aktivität), aber echte Nutzer erleben dynamischen Komfort, wenn sie sich zwischen Außen- und Innenbedingungen anpassen, eine Jacke ablegen oder in Sonnenlicht treten.
Zweitens überschätzt das Modell systematisch die Unzufriedenheit in natürlich belüfteten Gebäuden. Wenn ein Fenster bedienbar ist und Zugluft gefühlt und behoben werden kann, passen sich Nutzer leichter an und tolerieren größere Temperaturbereiche, als der PMV vorhersagt. Genau aus diesem Grund existiert das adaptive thermische Komfortmodell; es akzeptiert im Sommer höhere Innentemperaturen, wenn die Außenbedingungen warm sind und die Nutzer Schwankungen erwarten.
Drittens beruht der PMV auf Annahmen (Kleidung und Stoffwechsel) statt auf Messungen, was eine grundlegende Unsicherheit einführt, die jede einelne Vorhersage berücksichtigen muss.
Wie unterscheidet sich der PMV vom adaptiven Komfort?
Adaptiver Komfort wendet Fangers Modell auf natürlich belüftete Gebäude an, bei denen die Nutzer Fenster, Ventilatoren und Kleidung kontrollieren. Es erkennt an, dass Nutzer in diesen Räumen bei einem größeren Temperaturbereich zufriedener sind: typischerweise 21–26°C im Winter und bis zu 27–28°C im Sommer, da sie die Möglichkeit zur Anpassung haben. Der PMV allein eignet sich am besten für klimatisierte Gebäude, bei denen mechanische Systeme konstante Bedingungen aufrechterhalten und die Nutzer wenig Kontrolle haben, was sie empfindlicher für Abweichungen macht. Für schwedische Passivhäuser und gut gedämmte Neubauten mit mechanischer Lüftung leitet der PMV die Planung; für Sanierungsprojekte mit natürlicher Lüftung oder gemischten Systemen ist der adaptive Komfort angemessener.
Was ist mit loklem Unbehagen?
Der PMV beschreibt das thermische Gleichgewicht des gesamten Körpers, sodass ein Raum insgesamt gut abschneiden kann, während kalte Falluft von einem großen Fenster, eine Strahlungstemperaturasymmetrie von einer kalten Außenwand oder ein warmer Boden unter den Füßen ihn lokal inakzeptabel machen. Normen definieren daher separate Kriterien: Zugluftrate (vertikale Luftgeschwindigkeit <0,2 m/s in Nutzernähe), Strahlungstemperaturasymmetrie (Wand- und Fensteroberflächenemperaturen in engen Grenzen) und Bodentemperatur (16–26°C je nach Schuhwerk und Jahreszeit). Ein Raum kann einen PMV von null haben und dennoch die lokalen Unbehaglichkeitskriterien nicht erfüllen. Bei dichten städtischen Sanierungen, wo einfachverglaste Fenster oder dünne Außenwände existieren, schränkt lokales Unbehagen die Planung oft stärker ein als der ganzkörperliche PMV.
Häufig gestellte Fragen
- Warum kann ein Gebäudekomfort-Sollwert nicht alle zufriedenstellen?
- Das PPD-Modell zeigt, dass selbst bei einem perfekt neutralen PMV von null etwa 5 Prozent der Nutzer aufgrund individueller Unterschiede in Kleidung, Stoffwechsel und Körperhaltung unzufrieden bleiben. Keine einzelne Temperatur passt für jeden, weshalb Normen Komfort als prozentualen Unzufriedenheitsanteil definieren, nicht als einen festen Sollwert.
- Was sind Bekleidungsisolierung (clo) und Stoffwechselrate (met)?
- Die Bekleidungsisolierung in clo-Einheiten (1 clo ≈ 0,155 m²K/W, etwa ein Geschäftsanzug) und die Stoffwechselrate in met-Einheiten (1 met = 58 W/m², sitzend) werden nicht gemessen, sondern vom Modellierer angenommen. Diese Annahmen tragen den größten Teil der Modellunsicherheit, da sie je nach Jahreszeit, Nutzung und Person variieren.
- Wie verwenden europäische Komfortnormen den PMV?
- Die EN 16798-1 definiert Komfortkategorien anhand von PMV-Bereichen. Strengere Kategorien erfordern kleinere PMV-Bandbreiten und damit eine präzisere Umgebungskontrolle; weitere Kategorien akzeptieren größere Abweichungen und eignen sich für natürlich belüftete oder anpassungsfähige Gebäude.
- Wann sollte ich PMV anstelle des adaptiven Komfortmodells verwenden?
- PMV gilt für klimatisierte (mechanisch belüftete) Gebäude, in denen Nutzer sich nicht leicht anpassen können. Adaptiver Komfort eignet sich für natürlich belüftete Räume, in denen Nutzer Fenster öffnen, Kleidung wechseln und sich ohne mechanische Eingriffe an saisonale Bedingungen anpassen.
- Warum überschätzt PMV die Unzufriedenheit in manchen Gebäuden?
- PMV wurde an stationären, sitzenden Probanden in Klimakammern mit einheitlicher Kleidung kalibriert. In echten natürlich belüfteten Gebäuden passen sich Nutzer an, indem sie Fenster öffnen oder Kleidung wechseln, was sie bei größeren Temperaturbereichen zufriedener macht, als das Modell vorhersagt.
- Kann ein Raum einen guten PMV haben, sich aber trotzdem unangenehm anfühlen?
- Ja. PMV beschreibt das thermische Gleichgewicht des gesamten Körpers, aber lokale Unbehaglichkeit durch kalten Fallwind an einem großen Fenster oder warmen Boden unter den Füßen macht den Raum trotz neutralem Gesamtkomfort inakzeptabel. Kriterien für lokale Unbehaglichkeit behandeln Zugluft, Strahlungsasymmetrie und Bodentemperatur separat.